Kantine statt Mensa – Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammer luden Studienabbrecher zum Date mit Unternehmen ein


Bewerbergespräche in städtischer Kantine
29. April 2016 | Studenten, die mit dem Gedanken spielen, ihr Studium ohne Abschluss zu beenden oder bereits abgebrochen haben, tauschten die Mensa gegen die Kantine in der elften Etage des Stadthauses I. Auf Einladung der Agentur für Arbeit, der IHK und der Handwerkskammer gab es nicht nur Mettwurst und Brezeln. Acht Unternehmen aus Münster und der Region kredenzten berufliche Alternativen und informierten über mögliche Praktika und freie Ausbildungsstellen.
Rund ein Viertel der Studenten beenden ihr Hochschulstudium nicht. Doch was kommt nach einem Studienabbruch? Kann eine Ausbildung eine Alternative sein? Aber wie geht man im Lebenslauf mit den Studienzeiten um? Und wie findet man überhaupt den passenden Ausbildungsberuf und das richtige Unternehmen? „Das sind Fragen, die jeder junge Mensch im Kopf hat, der in dieser Situation steckt“, berichtet Theo Wübbels, Teamleiter für akademische Berufe in der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „Mit unserer Veranstaltung haben wir eine Gelegenheit geboten, solche Fragen direkt im Gespräch mit Personalchefs und Berufsberatern zu klären“, ergänzt er.

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen und der Handwerkskammer Münster hat die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster bereits 2013 das Programm „Und Morgen Meister“ aus der Taufe gehoben. Seitdem sind im Rahmen des Programms rund 500 junge Menschen beraten worden, die ihr Studium vorzeitig beenden wollen und eine neue berufliche Perspektive suchen. „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass sich Studierende in der Krise schwer tun, erfahrene Ansprechpartner zu finden, die bei der Neuorientierung unterstützen. Viele versuchen, das Thema mit sich allein auszumachen“, so Wübbels. Den Studienabbruch aus der Tabuzone zu holen ist ein wichtiges Anliegen des Programms. „Gleichzeitig haben wir viele Betriebe, die Schwierigkeiten haben, passende Auszubildende zu finden. Die beiden Gruppen an einen Tisch zu bringen, ist deshalb eine naheliegende Idee“, beschreibt Carsten Haack von der Handwerkskammer Münster. „Wir haben das wörtlich genommen. Und weil Essen immer auch verbindet, haben wir dazu eingeladen, die Mensa mit der Kantine zu tauschen und beim gemeinsamen Imbiss ungezwungen miteinander ins Gespräch zu kommen“, so Haack. Das Angebot wurde in intensiven Gesprächen genutzt. Die teilnehmenden Studenten und Studienabbrecher konnten so im Stadthaus I nicht nur den Rundblick über die Stadt genießen, sondern sich auch auf neue berufliche Aussichten vorbereiten.

30 unterschiedliche Ausbildungsberufe hatten die Unternehmen im Angebot, von Anlagenmechanikern Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik, über Fachinformatiker, Industriekaufleute bis zu Müllern reichte die Palette. „Hier bieten sich viele Chancen“, betont Silke Deutschmann von der IHK Nord Westfalen. „Studienabbrecher sind für viele Betriebe interessante Bewerber, weil sie schon etwas älter und selbstständiger sind und meist sehr motiviert in die Ausbildung gehen“, erklärt sie das große Interesse der Unternehmen an der Veranstaltung. Wichtig sei es jetzt, den Studienaussteigern zu zeigen, wo es individuelle Beratung und Chancen gibt, so Deutschmann. „Dazu gehen wir immer wieder auch kreative neue Wege“, betont Theo Wübbels. Der Erfolg gibt den Organisatoren recht: Bereits 240 Studienabbrecher sind durch das Programm „Und Morgen Meister“ in eine betriebliche Ausbildung vermittelt worden.

Pressemitteilung 036/2016