Ausbildungsplatz beendet den Frust im Studium


Verzweifelte Studentin

Genug von der ermüdenden Kopfarbeit? Wer studiert, aber lieber eine Ausbildung beginnen möchte, ist im Programm ,,Und morgen Meister'' in Münster genau richtig. Bilder: Projekt ,,Und morgen Meister‘‘

18. Oktober 2016 | Die Glocke | Münster (gl). Zugegeben, ein Meister ist noch nicht dabei. Trotzdem sind Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer sowie die Agentur für Arbeit in Münster hochzufrieden damit, in den vergangenen dreieinhalb Jahren fast 300 unzufriedene Studenten zu zufriedenen Azubis gemacht zu haben. „Der Titel ist da nicht so wichtig“, sagt Knut Heine - obwohl das Projekt offiziell „Und morgen Meister“ heißt.
„Die ersten machen jetzt erstmal ihre Abschlussprüfungen“, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Und zwar nicht wie von ihnen ursprünglich geplant an der Uni, sondern nach einer Lehre in den Ausbildungsbetrieben und an den Kammern. Seit 2013 bietet „Und morgen Meister“ jungen Menschen, die ihr Studium abgebrochen haben oder abbrechen wollen, die Möglichkeit, sich über Ausbildungsberufe zu informieren, Praktikumsplätze und im Optimalfall eine Lehrstelle zu finden.
„So ist ein ehemaliger Informatik- Student zum Bodenleger geworden, eine angehende Kulturwissenschaftlerin zur Speditionskauffrau und ein BWL-Student zum Tischler“, gibt Joachim Fahnemann, Leiter der Arbeitsagentur Ahlen-Münster, einige Beispiele.
„Das hört sich für viele immer noch nach sozialem Abstieg an“, sagt Heine. Wer aber den Sprung geschafft hat aus einem Studium, das ihn belastet, in eine Ausbildung, die ihm Freude bereitet, sehe das meist anders. „Das sind junge Leute, deren Selbstbewusstsein stark gelitten hat, weil ihnen der Wissenschaftsbetrieb nicht lag, sie Misserfolge hatten oder die Familie Druck ausgeübt hat. Angekommen im neuen Job, blühen sie wieder auf.“
28 Prozent der Bachelorstudenten, so jüngere Untersuchungen, brechen ihren Studiengang wieder ab. Immerhin 550 Studienaussteiger aus der Region wandten sich an die Berater von „Und morgen Meister“, mehr als die Hälfte von ihnen wurde Azubi. Vor allem ehemalige Chemie-, Elektrotechnikund Informatikstudenten nehmen momentan an dem Programm teil, viele von ihnen haben sich bei der Ausbildungssuche einem komplett neuen Bereich zugewandt. Meistens mit Erfolg, so Heine. „Ist die Probezeit erstmal überstanden, liegt die Abbrecherquote praktisch bei null.“
Von unserer Mitarbeiterin ANDREA ZINKE

Quelle: Die Glocke  18.10.2016